Klosterkonzerte • NeoBarock

10.06.12 | 17:00 Uhr | Frankfurt/M • Karmeliterkloster
NeoBarock

Volker Möller (Violine)
Maren Ries (Violine, Viola)
Ariane Spiegel (Violoncello)
Fritz Siebert (Cembalo)

Wolfgang Amadeus Mozart begegnet Händel und Bach

Werke von G.F. Händel, J.S. Bach, C.Ph.E. Bach, W.A. Mozart

NeoBarock hat sich mit fesselnden Interpretationen, die Leidenschaft, Perfektion und Virtuosität vereinen, in den wenigen Jahren seiner Existenz schnell den Ruf als exzellenter Interpret außergewöhnlicher Programme erspielt und zählt inzwischen zu den Spitzenformationen seiner Art. Atemberaubende Spielfreude, faszinierendes Zusammenspiel sowie klangliche Homogenität und Intensität machen das Erlebnis NeoBarock einzigartig und unvergleichbar.

Der Name NeoBarock steht als Synonym für den künstlerischen Anspruch des Ensembles, zwischen der Musik vergangener Epochen und dem gegenwärtigen Hören zu vermitteln. NeoBarock präsentiert Alte Musik als Ereignis, als etwas Unerhörtes, so als wäre sie gerade erst entstanden. Quellenstudium und die Verwendung historischer Instrumente sind für NeoBarock kein Selbstzweck sondern Werkzeuge für ein historisch authentisches und gleichzeitig emotional unmittelbar packendes Musikerlebnis.

Mit exklusiven und dramaturgisch stringenten Konzertprogrammen ist NeoBarock gefeierter Gast auf den europäischen Bühnen und zahlreicher renommierter Festivals. Rundfunkproduktionen und Konzertmitschnitte werden regelmäßig von nationalen und internationalen Rundfunkanstalten übertragen. In den vielbeachteten CD-Einspielungen für das Label ambitus hat sich NeoBarock wiederholt mit Johann Sebastian Bach und seinem Umfeld beschäftigt „und sich als stilistisch kundiger Sachwalter dieses Repertoires erwiesen" (Fono Forum).


Zum Programm

„Ich gehe alle Sonntage um 12 uhr zum Baron von Suiten - und da wird nichts gespiellt als Händl und Bach. - ich mach mir eben eine Collection von den Bachischen fugen. - so wohl sebastian als Emanuel und friedemann Bach..." Begeistert berichtete Wolfgang Amadeus Mozart seinem Vater in einem Brief am 10. April 1782 von einer in vieler Hinsicht äußerst interessanten musikalischen Bekanntschaft. Wenn es an Gottfried van Swieten etwas auszusetzen gebe, bemerkte einer seiner Vorgesetzten im diplomatischen Dienst einmal, dann: dass er die meiste Zeit mit Musik beschäftigt sei. Diese Schwäche sollte sich für die Musikgeschichte als Segen erweisen; denn es war jener hochgebildete van Swieten, Direktor der Wiener Hofbibliothek und Diplomat außer Diensten, der Mozart im Rahmen seiner sonntäglichen Hausmusiken mit den Werken Georg Friedrich Händels, Johann Sebastian Bachs und seiner Söhne vertraut machte. Gerade erst ein Jahr in Wien ansässig, war Mozart in die Nähe des komponierenden Musikfreunds gekommen. Ein schicksalhaftes Zusammentreffen, denn dort, im Hause des unentwegten „Bach- und Händel-Apostels", eröffnete sich ihm eine großartige musikalische Welt. Die Musik des „modernen" Bach, die des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel, hatte van Swieten als Gesandter am Hofe Friedrichs des Großen zwischen 1770 und 1777 kennen gelernt. Die dritte Sammlung seiner Sonaten für Kenner und Liebhaber von 1781 widmete Carl Philipp seinem großen Verehrer van Swieten. Den Werken des „alten" Bach, nämlich denen Johann Sebastians, sowie den Kompositionen Georg Friedrich Händels war van Swieten im Kreis um Prinzessin Anna Amalie begegnet. Unermüdlich trug er Literatur der „alten und Modernen" für seine umfangreiche Notenbibliothek zusammen und beschäftigte sogar eigens einen Kopisten, der zahlreiche Abschriften Bachscher Werke vornahm.
Schon deutlich früher, bereits als Achtjähriger, hatte Mozart erste Bekanntschaft mit Händels Musik gemacht: 1763, am Hofe Georg III., wurden ihm u. a. Werke von Händel vorgelegt, um sein Prima-vista-Spiel zu demonstrieren. Hier in London begegnete er auch dem ihn prägenden Johann Christian Bach. Er sollte das einzige Mitglied der Bach-Familie bleiben, das Mozart persönlich kennen lernte. Mozarts Konzerte nach drei Werken aus Johann Christian Bachs 1766 in London gedruckten Claviersonaten op. 5 sind Jugendarbeiten aus der Zeit um 1771, Nachklänge gewissermaßen des London-Aufenthalts, tastende Versuche auf dem noch neuen Gattungsfeld des Konzerts, Spiegel aber auch zugleich des Stilideals, an dem der junge Mozart sich schult. Mozart hat den Claviersatz des Originals praktisch unangetastet übernommen und lediglich jeweils zu Beginn besonders des ersten Satzes eine Orchesterexposition vorangestellt, die die Hauptgedanken des Soloparts vorbereitet, und Zwischen- und Nachspiele eingeschaltet sowie dem Solopart Begleitstimmen unterlegt. In Wolfgangs Partiturhandschriften erscheint der Solopart in der Handschrift Leopold Mozarts, und es liegt nahe zu vermuten, dass der Vater auch bei der Ausarbeitung der Orchesterpartien allerhand Hilfestellung gegeben hat.

Händels Triosonaten Opus 5 erschien 1739 in London. Die Vorgeschichte des Druckwerks liegt im Dunkeln, doch beruht die Sammlung offenbar zu einem beträchtlichen Teil auf Arrangements bereits vorhandener Sätze.
Das Satzpaar Adagio und Fuge nach Johann Sebastian Bach - das man sich besonders gut in einer Swietenschen Matinee vorstellen kann -, entstammt einer Serie von sechs für Streichtrio von Mozart 1782 eingerichteten Tastenfugen Johann Sebastian und Wilhelm Friedemann Bachs mit vorangestellten und meist neu komponierten Präludien. Die zu hörende Fuge ist der Contrapunctus 8 aus Bachs letztem großen, 1751 postum gedruckten Instrumentalwerk, der „Kunst der Fuge".

Mit der Triosonate G-Dur für Violine, Viola und Basso continuo begegnet dem Bach-Kenner ein wohlvertrautes Kammermusikwerk in veränderter Klanggestalt. Das Werk, das im Bach-Werke-Verzeichnis unter der Nummer 1038 als Triosonate für Querflöte, Violine und Generalbass geführt wird, ist in einer Stimmenabschrift Johann Sebastian Bachs aus den Jahren 1732-1735 überliefert. Obwohl die Abschrift keinen Komponistennamen trägt, galt Bach zunächst unangefochten als der Komponist. Doch im Laufe des vergangenen Jahrhunderts mehrten sich die Stimmen, die an seiner Autorschaft zweifelten, des öfteren wurde unter Hinweis auf bestimmte Stilmerkmale Carl Philipp Emanuel Bach in Betracht gezogen. Als Merkwürdigkeit kam hinzu, dass die Sonate den Bass mit einer Violinsonate gleicher Tonart aus der Feder Johann Sebastian Bachs (BWV 1021) teilt - ein Hinweis darauf, dass das Trio als Lösung einer Aufgabe im Kompositionsunterricht entstanden sein könnte. Jüngste Forschungen haben nun gezeigt, dass das Original statt der Querflöte eine Bratsche vorsah. In der Zusammenschau legen die Befunde den Schluss nahe, dass uns hier ein bislang verschollen geglaubtes Werk vorliegt, das in dem 1790 gedruckten Nachlasskatalog Carl Philipp Emanuel Bachs aufgeführt ist als „Trio für die Violine, Bratsche und Bass mit Johann Sebastian Bach gemeinschaftlich verfertigt", ein Gemeinschaftswerk also von Vater und Sohn, von Lehrer und Schüler, entstanden in einer nicht unähnlichen Situation wie vier Jahrzehnte später Mozarts Cembalokonzerte nach Johann Christian Bach.

Auch Carl Philipp Emanuel Bachs Triosonate d-Moll für zwei Violinen und Generalbass führt uns in das Leipziger Elternhaus des Komponisten. Das Werk des Sohnes, das wegen der uneindeutigen Komponistenangabe „di Mons. Bach" vorübergehend ebenfalls dem Vater zugeordnet war (BWV 1036), stammt anscheinend zusammen mit einer Reihe früher Triosonaten aus dem Jahre 1731.
Den Auftrag zur Komposition von sechs Duetten für Violine und Viola bekam Michael Haydn von seinem Dienstherrn, dem Erzbischof Hieronymus, der sie als Amateurgeiger für seine Hausmusik bestellte. 1783 erkrankte Haydn jedoch, so dass er den Auftrag nicht vollenden konnte. Hier half Mozart, der zu dieser Zeit ebenfalls in Salzburg weilte, dem Freund aus und komplettierte die Serie mit zwei weiteren Duos zu dem bestellten Sechser-Pack, das dann ohne Erwähnung des Mitautors abgeliefert wurde. Erst 1788 erschienen die Duos in Wien unter Angabe beider Komponisten.


Ort: Institut für Stadtgeschichte / Karmeliterkloster, Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main