Klosterkonzerte • La Gioia Armonica

13.05.12 | 17:00 Uhr | Frankfurt/M • Karmeliterkloster

LA GIOIA ARMONICA
Monika Mauch, Sopran
Stanislava Jirků, Alt
Margit Übellacker, Salterio
Meret Lüthi, Violine I
Sabine Stoffer, Violine II
Lucile Chionchini, Viola
Felix Knecht, Violoncello
Armin Bereuter, Violone
Michael Freimuth, Theorbe
Jürgen Banholzer, Orgel und Leitung

Werke von Johann Georg Reutter dem Jüngeren (1708-1772)

Das Programm würdigt einen Komponisten, der sich in den 1730er Jahren als einer der erfolgreichsten Opernkomponisten Wiens durchsetzen konnte, der fast drei Jahrzehnte lang der einflussreichste Komponist von Kirchenmusik in Wien war und sich der Wertschätzung Karls VI. und Maria Theresias erfreute. Für den Wert seiner Kompositionen zeugt die Tatsache, dass zwei früher W.A. Mozart zugeschriebene Psalmkompositionen als von Mozart kopierte Werke Reutters identifiziert werden konnten. Auch einige seiner Messen sind u.a. J. Haydn zugeschrieben worden. Die für das Programm ausgewählten Stücke zeigen einen Komponisten, der, an den Stil neuerer neapolitanischer Komponisten anknüpfend, solides kontrapunktisches Handwerk mit einer eingängigen und empfindsamen Melodik zu verbinden wusste.

Das Ensemble LA GIOIA ARMONICA wurde von der österreichischen Psalterium-Spielerin Margit Übellacker und dem deutschen Organisten und Sänger Jürgen Banholzer gegründet. Ein Arbeitsschwerpunkt des Ensembles liegt in der Erkundung des barocken Repertoires rund um das Psalterium, speziell das sagenumwobene Pantaleon. Die Besetzungsstärke des Ensembles ist variabel und reicht vom Duo Psalterium-Orgel bis zu größeren kammermusikalischen Formationen, in denen Musiker zusammengeführt werden, die sich auf dem Gebiet der Historischen Aufführungspraxis spezialisiert haben und über reiche Erfahrungen aus verschiedenen internationalen Ensembles verfügen.

Mit Antonio Caldara: Cantate, Sonate ed Arie legte LA GIOIA ARMONICA beim Label RAMÉE seine erste Einspielung vor. Die CD erhielt mehrere Preise (Pizzicato Supersonic Award, Goldberg: 5 Ètoiles, Prelude Classical Award 2006 für die beste Debut CD). Seitdem wurde das Ensemble zu Konzerten im In- und Ausland eingeladen, u.a. zu den Händelfestspielen in Halle.

Monika Mauch studierte bei Richard Wistreich und Jill Feldman. Sie arbeitete mit Ricercar Ensemble (Philipp Pierlot), mit La Fenice (Jean Tubéry), im Ensemble Ordo Virtutum (Stefan Morent), mit dem Taverner Consort (Andrew Parrot) und mit Red Byrd. Mit Cantus Coelln nahm sie Werke aus dem Altbachischen Archiv und Bachs h-moll Messe auf. Sie sang in Konzerten und Aufnahmen mit La Capella Ducale und Musica Fiata (Roland Wilson), mit Weser Renaissance (Manfred Cordes) und mit Collegium Vocale Gent (Philip Herreweghe). Sie arbeitet mit dem von Bruce Dickey und Charles Toet geführten Concerto Palatino zusammen und nahm mit dem Hilliard Ensemble die besonders erfolgreiche CD ‘Morimur' auf. Sie ist zu hören mit Ensemble Daedalus (Roberto Festa), dem CordArte Ensemble Köln, dem Ensemble Caprice (Matthias Mauthe), mit Montreal Baroque, les Cornets Noirs, dem Ensemble Private Musique. In letzter Zeit hat Monika Mauch mit dem Lautenisten Nigel North an einigen Konzertprogrammen gearbeitet, die schließlich zu einer ECM New Series Aufnahme des Musical Banquet von Robert Dowland geführt haben.

Stanislava Jirků ist seit der Spielzeit 2005/2006 Solistin des Prager Nationaltheaters, wo sie u.a. zu hören war als Goffredo („Rinaldo"), als Zweite Dame („Zauberflöte"), als Dorabella („Così fan tutte") und Cherubino („Le nozze die Figaro"), als dritte Elfe („Rusalka"), als Hirtin („Jenůfa") und als Putzfrau („Die Sache Makropulos"), als Mercedes („Carmen"), als Zaubermädchen („Parsifal"). Die Produktion von Händels „Rinaldo" ging 2010 und 2011 auf Tournee nach Frankreich (Caen, Rennes, Opéra Royal Château de Versailles) und Luxemburg (Grand Théâtre de Luxembourg). Bei Gastspielen am Nationaltheater Brünn sag sie u.a. die Hexe („Rusalka"), Maddalena („Rigoletto"), Sonja („Krieg und Frieden". Im Mai 2011 sang sie in London mit dem BBC Orchestra die Ludmila in Smetanas „Verkaufter Braut", die von Harmonia Mundi aufgenommen wurde. Sie gab Konzerte in Tschechien, Spanien, Deutschland, den Niederlanden und in Frankreich. 2007 nahm sie einen Liederzyklus des tschechischen Komponisten Miroslav Kubička auf.

Margit Übellacker widmet sich in erster Linie der Wiederbelebung barocker und mittelalterlicher Repertoires für historische Hackbrett-Typen (Pantaleon, Salterio, Dulcemelos). Wichtige Impulse dazu bekam sie durch Studien bei Karl-Heinz Schickhaus (Bruckner-Konservatorium Linz), Birgit Stolzenburg - de Biasio (Richard-Strauss-Konservatorium München) und Crawford Young (Diplom für alte Musik an der Schola Cantorum Basiliensis).
Im Ensemble L'Arpeggiata (Ltg. Christina Pluhar) arbeitete sie in den letzten Jahren mit Solisten wie Philippe Jaroussky, Nuria Rial, Gian Luigi Trovesi, Marco Beasly, Lucilla Galleazzi, sowie mit den King's Singers und dem Australian Brandenburg Orchestra bei zahlreichen Tourneen, Konzerten, Rundfunk-, Fernseh- und DVD-Aufnahmen.
Als Mitglied des Ensembles Shield of Harmony (Ltg. Crawford Young) musiziert sie mit Andreas Scholl und wirkte bei dessen Oswald von Wolkenstein-CD mit („Songs of myself"). Sie konzertiert außerdem mit Musica Fiorita (Ltg. Daniela Dolci), Musica Alta Ripa (Ltg. Bernward Lohr), les Passions de l'Âme (Ltg. Meret Lüthi), Coriandolo (Ltg. Carsten Eckert), Il Suonar Parlante (Ltg. Vittorio Ghielmi), Oni Wytars (Ltg. Marco Ambrosini), dem Mozarteum-Orchester Salzburg (unter der Leitung von Ton Koopman), dem L'Orfeo Barockorchester Linz (Ltg. Michi Gaigg), dem Orchestre Philharmonique de Radio France und dem WDR Rundfunkorchester Köln, im Duo mit Crawford Young (Laute) und mit Aline Zylberajch (Fortepiano), sowie als Mitglied des Ensembles Dulce Melos.
Konzerte, Rundfunk-, Video- und Fernsehauftritte im Bereich der Alten Musik führten sie in viele Länder Europas sowie nach Südamerika, Australien, Japan, Hong Kong, Rußland und in die USA (u.a. Carnegie Hall).

Jürgen Banholzer studierte Orgel in Boston bei James David Christie, dann als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes bei Ludger Lohmann in Stuttgart (Kirchenmusik A) und bei Jean Boyer am Conservatoire Supérieur de Musique in Lyon. Es folgte ein Gesangsstudium an der Schola Cantorum Basiliensis. Im Fach Musikwissenschaft promovierte er an der Universität Mainz.
Als Organist konzertiert er in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz. Sein besonderes Interesse gilt der Orgelmusik und den Orgeln des 17. und 18. Jahrhunderts.
Solistische Auftritte als Countertenor führten ihn in Konzerten, Rundfunk- und CD-Aufnahmen mit Dirigenten wie Thomas Hengelbrock, Ivor Bolton, Harry Christophers oder Jean-Claude Malgoire und mit Orchestern und Ensembles wie Concerto Köln, Il Seminario Musicale, Das Kleine Konzert, Concerto poetico Zürich, L'arpa festante, L'Orfeo, La Gamba zusammen. Szenische Aufgaben übernahm er bei den Ludwigsburger Schloßfestspielen, beim Festival de Musique du Haut-Jura, den Wiener Festwochen, an der Bayerischen Staatsoper (Prinzregententheater), beim Feldkirch-Festival und im Festspielhaus Baden-Baden. Den Ensemblegesang pflegte er u.a. mit dem Huelgas Ensemble, dem Johann Rosenmüller Ensemble, mit Capella Ducale & Musica Fiata, Clemencic Consort, La Fenice, Weser-Renaissance, La Chapelle Rhenane, Balthasar-Neumann-Chor, Amsterdam Baroque Choir bei Festivals in zahlreichen europäischen Ländern, sowie in U.S.A. und China.
Seit 2004 unterrichtet er die Fächer Generalbaß, Partiturspiel und historische Satzlehre an der Johannes Gutenberg Universität Mainz.



Ort: Institut für Stadtgeschichte / Karmeliterkloster, Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main