Reutlinger General-Anzeiger 02.11.2007

VON MARION SCHRADE

Konzert - Ungewöhnliche Arrangements, farbenreiches Spiel: Das Persius Ensemble aus Potsdam spielte beim Kammermusikzyklus große Werke in kleiner Besetzung
Till Eulenspiegel zu neunt

An ein Nonett hat Richard Strauss, als er seine Tondichtung »Till Eulenspiegels lustige Streiche« schrieb, bestimmt nicht gedacht. Sieht der Komponist doch nicht weniger als 64 Instrumente vor: »ein sehr großes Orchester«, wie er selbst vermerkte. Eine wahrhaft monströse Partitur also, an der Strauss sicherlich nicht umsonst bis ins Detail hinein gefeilt hatte - gilt er doch als Meister in der Kunst der Instrumentierung. Muss der Versuch, ein derart auf sinfonische Effekte zugeschnittenes Werk für eine kammermusikalische Besetzung zu bearbeiten, also nicht zwangsläufig scheitern?
Keineswegs! Das Persius Ensemble Potsdam, das zu Gast beim Reutlinger Kammermusikzyklus war, hat diesen gewagten Versuch unternommen. Und räumt jedweden Zweifel aus: Die Potsdamer haben den Schalk im Nacken und den Funken der Begeisterung in sich. Um Strauss' Farbenreichtum zum Klingen zu bringen, braucht es keinen massiven Klangkörper. Die kleine Streicher- und Bläser-Besetzung vereint die Vorzüge des sinfonischen Mischklangs und der kammermusikalischen Transparenz, orchestrale Fülle vermisst man kaum. Die Interpretation des Persius Ensemble ist vielschichtiges, fein gezeichnetes Charakterbild und großes Erzähl-Kino zugleich. Grandios, wie die Musiker das Gericht am Ende über Till hereinbrechen lassen - väterlich mahnend zunächst, schließlich unerbittlich verurteilend. Auf Tills Tod aber folgt sogleich der Triumph: Das Ensemble greift Eulenspiegels Motiv mit herrlich ironischem Augenzwinkern wieder auf.


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